Wie verläuft der Ausbau des Glasfasernetzes?

Wie verläuft der Ausbau des Glasfasernetzes?

In immer mehr Briefkästen stecken in diesen Monaten Flyer und Broschüren zum geplanten Breitbandausbau. In fünf hessischen Landkreisen bindet Netcom Kassel die Kommunen und Ortsteile, die bisher nicht über eine Breitbandanbindung verfügten, an das Glasfasernetz an. Der Informationsbedarf ist groß – weiß man mit vielen der Begriffe wie FTTH, FTTB, DAKO, KVz, HÜP oder RFO, die sich rund um den Glasfaserausbau ranken, doch wenig anzufangen.

Dabei unterscheiden sich die Arbeiten, die zur Verlegung und zum Anschluss des Kabels notwendig sind, nicht von der Verlegung eines ganz normalen Telefonanschlusses.

Geringe Belastung für Anwohner

Auch ohne Glasfasertechnik lassen sich bereits beträchtliche Übertragungsgeschwindigkeiten erreichen. Um zukünftig jedoch sämtliche Anwendungen im Internet ausführen zu können, müssen Glasfaserkabel flächendeckend verlegt werden. Das heißt aber nicht, dass ganze Straßenzüge aufgerissen werden müssten. Dank modernster Technik und Verfahren bedarf es nur schmaler Gräben, die meist am selben Tag wieder verschlossen werden.

In einigen Fällen kann auf Tiefbauarbeiten sogar ganz verzichtet werden, weil leere Rohre oder Schächte, die bereits in der Erde liegen, für die Glasfasern genutzt werden können. Die Anwohner werden somit nur geringfügig belastet.

Nordhessen bis 2020 mit Breitband versorgt

Das Glasfasernetz bildet sozusagen auch in Deutschland das Rückgrat der Kommunikationssysteme. Allerdings beträgt der Anteil von Glasfaserkabeln an allen Festnetz-Breitbandanschlüssen gerade 2,6 Prozent. Aber es wird weitergebaut.

In Nordhessen werden mit dem Projekt „Nordcluster“die Unternehmen und Haushalte bis voraussichtlich Mitte 2020 versorgt sein.

Wenn der Glasfaserausbau eine Region erreicht hat, wird – einfach gesagt – das Internet auf gebündelte Glasfaserleitungen (Speedpipes) umgeleitet und in die verschiedenen Orte zu sogenannten Multifunktionsgehäusen (MFG) und weiter zu einem Kabelverzweiger (KVz) transportiert. Man kennt die kleinen grauen Kästen am Straßenrand als Verteilerstationen für das Telefon.

Die Daten gelangen von vielen internationalen Service-Providern über das Datenzentrum in Frankfurt/Main DE-CIX-FFM, den größten Knotenpunkt der Welt, nach Kassel. Von dort aus verlaufen drei ringförmige Hauptleitungen (Backbones) in alle fünf nordhessische Landkreise. Verteilerstationen auf den Hauptleitungen (DAKO) führen die Daten zu den Multifunktionsgehäusen (MFG) und von dort zu den Kabelverzweigern (KVz) der Deutschen Telekom. Auf einer Kupferleitung geht es dann weiter zum Hausanschluss. Dieses Konzept wird FTTC genannt, Fibre to the Curb.

Netcom Kassel hat das Gesamtsystem bereits von Beginn an mit vectoringfähiger Technik versehen. Nachdem einige regulatorische Hürden genommen werden konnten, wurde das Verfahren ab Frühjahr 2019 etappenweise umgesetzt, sodass Bandbreiten von bis zu 100 MBit/s angeboten werden können.

Wenn die technische Infrastruktur in einem der 60 Bauabschnitte fertiggestellt ist, werden die Glasfaserkabel zur Übertragung der Daten freigeschaltet. Diese Phase des Ausbaus nennt sich Ready-for-Operation-Termin (RfO).

Mit einem auf Glasfasertechnologie basierenden Breitbandanschluss haben Sie hohe Übertragungsgeschwindigkeiten und sind bestens für die Zukunft gerüstet.