Vorsicht vor gefakten Rezensionen im Internet

Vorsicht vor gefakten Rezensionen im Internet

Restaurant, Flachbildschirm, Urlaub … Gehören Sie zu den Menschen, die im Internet erst mal die Kundenbewertungen lesen, bevor sie ihr Geld ausgeben? Das ist sinnvoll, denn oft sagen andere Verbraucher geradeheraus, ob ihnen ein Onlinekauf gefiel. Zumindest, wenn die Bewertungen echt sind. Doch wie unterscheidet man wahre von falschen Rezensionen?

Verdächtig, verdächtig …

Der Bedarf ist riesig: Mehr als 60 Prozent der Onlinekäufer zwischen 16 und 49 Jahren schauen sich Kundenbewertungen an, bevor sie sich zu einem Kauf entschließen, sagt eine Statista-Studie. Kein Wunder, dass es für Onlineshops enorm wichtig ist, gute Rezensionen für ihre Produkte zu erhalten. Manche gehen dabei allerdings zu weit und kaufen sich positive Bewertungen. Nicht immer lässt sich das erkennen, aber es gibt verdächtige Anzeichen, bei denen Sie stutzig werden könnten. Eine Checkliste:

Wer schreibt da?

Bevor Sie der Meinung eines Rezensenten vertrauen, lohnt sich ein Blick darauf, was er zuvor alles bewertet hat. Ein Klick auf seinen Namen macht das meist möglich und kann sehr aufschlussreich sein. Finden sich dort Bewertungen von zehn Indoor-Grills oder 15 Kopfhörern, ist Skepsis angebracht. Auch wenn jemand ausschließlich fünf oder immer nur einen Stern vergibt, sollten Sie lieber noch andere Meinungen einholen.

Wann wurde bewertet?

Das Produkt ist neu und hat schon haufenweise Kritiken? Ungewöhnlich – außer es handelt sich um das aktuelle iPhone oder ein neues Harry-Potter-Buch. Es gibt Onlineshops, die wollen dem Verkaufsstart mit vielen positiven Kritiken einen kräftigen Schwung mitgeben … Das sollte man als Verbraucher wissen und kritisch beurteilen.

Wie lang ist der Text?

Jemand lobt die Waschmaschine in den Himmel und kann gar nicht mehr aufhören? Merkwürdig. Denn im Internet gilt das ungeschriebene Gesetz: keine langen Texte. Nicht zum Lesen, aber auch nicht beim Schreiben. Es kann natürlich immer sein, dass da jemand wirklich, wirklich begeistert ist. Möglich ist aber auch, dass jemand Geld für seinen überschäumenden Beitrag bekommt.

Wie ist das Wording?

Typische Werbesprache hat in einer Kundenrezension nichts verloren. Da geht es um Meinung und Erfahrung, um Pro und Contra, um Echtheit. Nutzt ein Bewerter blumige Wordhülsen, ist Vorsicht geboten: „Dieses Premium-Modell überzeugt mit seiner exquisiten Ausführung.“ Dies klingt nicht gerade nach einer authentischen Kundenmeinung.

Fand der Kauf statt?

Bewertungen schreiben kann jeder (zumindest auf Amazon), auch wenn er gar nichts eingekauft hat. Der Hinweis „verifizierter Kauf“ deutet darauf hin, dass jemand das Produkt auch wirklich in der Hand hatte.

Alles ganz schrecklich?

Und wenn ein Produkt lauter schlechte Kritiken aufweist? Gut möglich, dass die Qualität dann wirklich nicht stimmt. Denkbar ist aber auch, dass ein Konkurrent das Produkt madig machen möchte. Gibt es in den negativen Bewertungen immer wieder Verweise auf ein Konkurrenzangebot nach dem Schema „Kauft lieber das, es ist viel besser …“? Schauen Sie genau, ob das ein ernst gemeinter Tipp oder ein falscher Beitrag ist.

Tool nutzen

Raffinierte Apps helfen, falsche Bewertungen bei Amazon zu erkennen. Die Programme rechnen verdächtige Bewertungen heraus und geben eine bereinigte Bewertung ab. Statt 4,8 Sternen tauchen dann schon mal 3,5 Sterne auf. Einfach den Link der Amazon-Produktbewertung in das Tool hineinkopieren.

Nicht vergessen!

Trotz aller berechtigter Skepsis: Vertrauen bleibt wichtig. Denn die meisten Onlinebewertungen werden von wirklichen Konsumenten mit echten Meinungen geschrieben und sind wertvolle Fingerzeige, ob sich ein Kauf lohnt oder nicht.

Letzter Tipp: Je mehr Infos Sie sammeln, desto klarer wird das Gesamtbild. Eine einzelne Kundenbewertung kann das Bild stark verfälschen, viele Rezensionen dagegen ermöglichen einen ausgewogeneren Blick.