Mann am Schreibtisch

Rechtliche Hinweise für das Arbeiten im Homeoffice

In den vergangenen Wochen wechselten viele Mitarbeiter wegen der Corona-Pandemie ins Homeoffice. Meist erfolgte der Umzug überstürzt und ohne entsprechende Vorbereitung sowohl seitens der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer. Obwohl Homeoffice kein neues Phänomen der Arbeitswelt darstellt, fehlt es in vielen Bereichen an klaren rechtlichen Regelungen, beispielsweise zum Umgang mit privat genutzter Firmentechnik.
Lesen Sie im folgenden Blogartikel, worauf Arbeitgeber und Mitarbeiter bei der Heimarbeit achten müssen.

Kein Recht auf Homeoffice

Egal, von wo aus, wie und wann ein Mitarbeiter für ein Unternehmen tätig ist – es gelten die gesetzlichen Grundlagen des Arbeitsrechts. Das heißt: Es gibt kein Recht auf Homeoffice. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern besteht in Deutschland eine starke Präsenzpflicht beziehungsweise eine Kultur der Anwesenheit am Arbeitsplatz. Auch in der jetzigen Situation muss der Arbeitgeber der Bitte eines Arbeitnehmers nach Homeoffice nicht nachkommen, wenn keine unmittelbare Ansteckungsgefahr im Unternehmen besteht. Allerdings kann sich die Option zur Heimarbeit aus einer Betriebsvereinbarung oder einem Tarifvertrag ergeben.

Auch die Tatsache, dass die Schulen und Kitas geschlossen sind, verpflichtet die Arbeitgeber nicht zur Zustimmung, die Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Andersherum können Arbeitgeber auch kein Homeoffice anweisen. Die Beschäftigung im Homeoffice muss einvernehmlich erfolgen. Wenn bei Corona-Verdachtsfällen in einem Unternehmen eine Quarantäne angeordnet wird, führt auch das nicht automatisch zum Homeoffice. Hier regelt das Infektionsschutzgesetz eine Entschädigung bei Verdienstausfall. Diese wird in den ersten sechs Wochen in Höhe des Ausfalls, ab der siebten Woche in Höhe des Krankengeldes gezahlt.

Rechte und Pflichten auf beiden Seiten

Im Homeoffice angekommen, gibt es eine Vielzahl von Regeln zu beachten, viele Details müssen geklärt werden – von den Kosten für das Arbeitszimmer über die Unfallversicherung bis hin zur Datenschutzgrundverordnung der EU.

Es empfiehlt sich also für beide Seiten, eine Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag zu unterzeichnen, in der die Regeln für das Homeoffice festgelegt sind.

Grundsätzlich gilt für den Arbeitnehmer das Arbeitszeitgesetz auch am Arbeitsplatz zu Hause, sowohl hinsichtlich der Arbeitszeiten als auch der Pausen und Ruhezeiten. Er darf also nicht länger als acht Stunden pro Tag arbeiten, im Ausnahmefall kann der Arbeitstag zehn Stunden betragen. Die Mehrarbeit muss dann aber innerhalb der nächsten sechs Monate ausgeglichen werden. Auch im Homeoffice müssen die Mitarbeiter die Dokumentationspflichten hinsichtlich der Arbeitszeit erfüllen. Sinnvoll ist es, feste Zeiten für die Erreichbarkeit des Mitarbeiters festzulegen, wenn der Arbeitgeber hierauf Wert legt.

Genau wie im Unternehmen gelten auch im heimischen Arbeitszimmer das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass die Gesundheit der Homeoffice-Mitarbeiter auch an ihren Bildschirmen zu Hause nicht gefährdet ist. Er ist gem. § 5 ArbSchG sogar verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung für die Arbeit im Homeoffice durchzuführen. Insofern sollten sich die Arbeitnehmer im Homeoffice nicht wundern, wenn der Chef ihnen einen Besuch abstatten möchte, um die Arbeitsstätte zu inspizieren.

Auch die Vertraulichkeitspflichten sind nicht außer Kraft gesetzt. Geschäftsunterlagen müssen vor dem Einblick durch Dritte geschützt sein, Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse müssen auch in den eigenen vier Wänden gewahrt werden.

Bei der Verwendung personenbezogener Daten im Homeoffice muss Arbeitgebern und Arbeitnehmern bewusst sein, dass auch hier die Datenschutzgrundverordnung der EU mit ihren hohen Anforderungen an den Datenschutz Gültigkeit hat. Dementsprechend kann der Arbeitgeber verlangen, dass nur IT-Technik des Unternehmens verwendet wird und VPN-Tunnel für die Datenübertragung genutzt werden.

Ein Recht auf Zuschüsse zu den Kosten der Wohnung hat nur der Arbeitgeber, für den in der Firma kein Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Zieht sich die Heimarbeit in der jetzigen Situation über längere Zeit hin, sollte man sich über eventuelle Zuschüsse verständigen.

Keine Unfallversicherung auf dem Weg in die Küche

Auch im Homeoffice unterliegen Arbeitnehmer dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Dienstliche Tätigkeiten im Arbeitszimmer sind versichert, Unfälle beim Ortswechsel in der eigenen Wohnung nicht. Bricht sich der Mitarbeiter auf dem Weg vom Schreibtisch zum Drucker ein Bein, tritt die Unfallversicherung dafür ein. Passiert dies auf dem Weg zur Kaffeemaschine in der Küche oder zur Toilette, gilt dies – anders als im Büro – nicht als Wegeunfall.

Die aktuelle Situation zeigt einmal mehr, wie wichtig ein Arbeitsgesetz ist, das die Bedürfnisse und Notwendigkeiten der modernen Arbeitswelt nach Homeoffice regelt. Im Koalitionsvertrag der 19. Legislaturperiode wird die Schaffung eines rechtlichen Rahmens für mobiles Arbeiten zwar angekündigt, umgesetzt ist er noch nicht. So liegt es bis auf Weiteres an Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die optimalen Bedingungen für das Homeoffice auszuhandeln – von den Zuschüssen zur Miete bis zum Umgang mit privat genutzter Firmentechnik.