Privatsphäre in sozialen Netzwerken

Privatsphäre in sozialen Netzwerken

Wer in sozialen Netzwerken unterwegs ist, hinterlässt Spuren. Ein allzu sorgloser Umgang mit persönlichen Daten kann schwerwiegende Folgen haben. Doch man muss Facebook & Co. deshalb nicht fernbleiben. Lesen Sie im folgenden Beitrag, wie man seine Privatsphäre in sozialen Medien schützen kann.

Milliarden User trotz alledem

Das Misstrauen der Deutschen gegenüber sozialen Medien ist groß, und es wächst immer weiter. Hatten 2015 nach Angaben des Statistikportals Statista 59 Prozent kein Vertrauen in soziale Netzwerke, so waren es im Herbst vergangenen Jahres sogar 69 Prozent. Interessanterweise spiegelt sich dieses Misstrauen aber nicht im Verhalten der Internet-User wider, denn 2019 nutzten laut ARD/ZDF-Onlinestudie immerhin 75 Prozent der Gesamtbevölkerung WhatsApp, 31 Prozent Facebook, 19 Prozent Instagram und vier Prozent Twitter. In den Netzwerken für Business und Karriere Xing und LinkedIn waren drei beziehungsweise zwei Prozent der Bevölkerung unterwegs und auf TikTok, der Plattform für Kurzvideos, tummelten sich zwei Prozent der Deutschen. Und obwohl gerade Facebook im Umgang mit persönlichen Daten zu Recht in der Kritik steht, kommunizieren weltweit zwei Milliarden Menschen über das größte soziale Netzwerk.

Persönliche Daten als Währung in sozialen Netzen

Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, sollte wissen, dass und wie die Daten gespeichert, verarbeitet und auch weitergegeben werden. Taucht auf Seiten, die Sie im Internet besuchen, beispielsweise personenbezogene Werbung auf, ist klar, dass Ihre Daten nicht unter Verschluss gehalten werden. Die Betreiber der Plattformen machen keinen Hehl aus ihrer Datensammelwut. Wie auch? Die Vielzahl der angenehmen Dienstleistungen in den Netzwerken funktioniert nur auf der Basis entsprechend bereitgestellter Informationen der Nutzer. Die Erinnerung an die Geburtstage der Freunde beispielsweise ist nur möglich, wenn die Geburtstage auch gespeichert werden. Darüber hinaus finanzieren sich die meisten Dienste über Werbung. Persönliche Profile sind die Währung, mit denen auf den sozialen Netzwerken bezahlt wird. Daten werden nicht unbedingt wissentlich und gezielt weitergegeben, sondern Algorithmen ziehen aus Ihrem Verhalten im Internet Schlussfolgerungen, die beispielsweise für Werbetreibende von großem Nutzen sind.

Technisch machbar – rechtlich begrenzt

In den Datenschutzbestimmungen der Betreiber sozialer Netzwerke sind umfassende Informationen über den Umgang mit den Daten ihrer Kunden aufgeführt. Darüber hinaus machen die Betreiber selbst schon darauf aufmerksam, wie Dritte unter Umständen die Daten nutzen und teilen können. Jeder Nutzer sollte also zuerst davon ausgehen, dass das, was er bei WhatsApp, Facebook oder all den anderen sozialen Diensten eingibt, auch weiterverarbeitet wird. Insofern lautet die erste Regel zum Schutz der persönlichen Daten in sozialen Netzwerken: Überlegen Sie genau, was Sie von sich preisgeben: Fotos, Kontaktdaten, Chats, Standorte, Bankdaten, Krankheiten – technisch kann alles dort landen, wo Sie es nicht haben wollen.

Rechtlich allerdings sind den Unternehmen laut Datenschutzgrundverordnung der EU und anderer Vorgaben Grenzen gesetzt. Man sollte nicht von vornherein davon ausgehen, dass die Betreiber der sozialen Netze es darauf anlegen, gegen diese Gesetze zu verstoßen. Schon zur eigenen Sicherheit bieten sie in den Einstellungen auf ihren Seiten zahlreiche Möglichkeiten an, zu bestimmen, welche Daten wie genutzt werden dürfen, und machen auf Neuerungen aufmerksam – beispielsweise auf Einstellungen zur Kontrolle der Konten der Kinder.

Einstellung sorgfältig auswählen

Google wirbt momentan in einer Kampagne mit dem Slogan „Privatsphäre ist Einstellungssache“. Auch wenn zahlreiche Medien hier nur einen Werbecoup sehen – Regel Nummer zwei zum Schutz der Privatsphäre lautet: Gehen Sie die Einstellungen bei der Anmeldung sorgfältig durch und überprüfen sie diese regelmäßig. Über die Einstellungen können Sie entscheiden, wer welche Informationen erhalten soll und welche Daten aus Ihrem Umfeld vom Betreiber genutzt werden dürfen. Sie müssen weder Klarnamen noch Adresse noch Geburtsdatum angeben. Wenn Sie allerdings auf Geburtstagsglückwünsche all Ihrer Freunde erpicht sind – wie oben schon erwähnt – hat natürlich auch der Betreiber Zugriff.

Bei vielen Plattformen können sie Ihr Profil für Suchmaschinen unsichtbar machen und auch Ihre Kontaktdaten vor den Blicken der Öffentlichkeit schützen. Auch besteht die Möglichkeit, für jede Plattform eine andere E-Mail-Adresse zu verwenden.

Bei den Inhalten, also bei Beiträgen oder Fotos, können Sie entscheiden, wer diese sehen darf. Die Daten Ihrer Freunde können Sie per Klick in den Einstellungen unter Verschluss halten. Ihr Telefonbuch sollte für Dritte grundsätzlich tabu sein.

Werden Informationen über Ihre Person entgegen Ihren Angaben in den Einstellungen an Dritte weitergegeben, sollten Sie nicht den Weg zum Anwalt scheuen. Die Datenschutz-Grundverordnung der EU gibt dem Verbraucher umfangreiche Rechte.