Homeoffice – Vom Küchentisch zur vollwertigen Außenstelle von Unternehmen

Homeoffice heißt das Gebot der Stunde. Um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, arbeitet einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom unter 1 000 Arbeitnehmern zufolge etwa die Hälfte der Berufstätigen mittlerweile ganz oder teilweise von zu Hause aus – eine enorme Belastungsprobe für die digitale Netzstruktur in Deutschland. Denn spätestens zur ersten Videokonferenz erfahren Unternehmen und Mitarbeiter, dass Homeoffice mehr erfordert als einen Laptop und einen ergonomischen Bürostuhl am Küchentisch. Es gilt, eine Vielzahl technischer und rechtlicher Vorkehrungen zu treffen.

Neue Aufgaben erfordern schnelle Datenübertragung

Erste Voraussetzung für eine reibungslose Heimarbeit ist natürlich die reibungslose Kommunikation und Datenübertragung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Über 94 Prozent der Haushalte verfügen laut Statistikportal Statista über einen Breitbandanschluss (≥ 50 MBit/s). In normalen Zeiten und vorausgesetzt, die Übertragungsrate wird voll ausgeschöpft, kann man damit oder auch mit geringerer Übertragungskapazität Fotos, kurze Videos oder Word-Dateien in die Cloud laden oder Streamingdienste in Anspruch nehmen. Müssen per Internet nun aber ganz andere Aufgaben bewältigt werden – Einrichten einer VPN-Verbindung und eines separaten Telefonanschlusses, Zugriff auf den Firmenserver, Austausch großer Datenmengen zwischen Homeoffice, Unternehmen und Cloud oder Teilnahme an Videokonferenzen –, kommen die meisten Übertragungssysteme an ihre Grenzen. Das Hochladen eines Dokumentes dauert Stunden, von der Videokonferenz bekommt der Arbeitnehmer nur die Hälfte mit, weil Bild und Ton ruckeln oder die Verbindung ständig zusammenbricht.

Probleme mit dem Internet oft hausgemacht

Wenn die Datenübertragung in diesen Zeiten langsamer läuft als gewohnt, liegt das aber nicht daran, dass plötzlich so viele Leute einen Heimarbeitsplatz einrichten. Richtig ist: Der Datendurchsatz des DE-CIX (Deutsche Commercial Internet Exchange), des größten Internetknotens der Welt in Frankfurt am Main, machte im März dieses Jahres einen deutlichen Sprung nach oben. Allerdings werden die Kapazitäten des DE-CIX automatisch an den Datenverkehr angepasst.
Probleme mit der Datenübertragung sind in der Regel hausgemacht – vorausgesetzt, die Anbieter liefern, was per Vertrag vereinbart wurde. In Zeiten des Homeoffice reicht die abonnierte Datenübertragungsrate zu Hause oder im Unternehmen nicht mehr aus. Der VPN-Server ist nicht ausreichend dimensioniert. Die Server der Anbieter für Video- oder Telefonkonferenzen sind nicht für die aktuelle Anfrage ausgelegt, oder andere Familienmitglieder, die ihre Tage jetzt auch daheim verbringen, beanspruchen das Internet über Gebühr für Computerspiele oder zum streamen von Videos.
In manchen Fällen können die Internet-Probleme schon mit kleinen Veränderungen behoben werden – beispielsweise, indem der Router an einer anderen Stelle positioniert oder ein anderer Funkkanal gewählt wird. Die Verwendung eines LAN-Kabels kann aus einer ruckeligen Verbindung eine Videokonferenz in bester Bildqualität zaubern.
Unternehmen oder Privatleute, die vorausschauend hohe Datenübertragungsraten abonniert haben und entsprechend geliefert bekommen, beispielsweise Turbo-Internet auf der Basis von Glasfaser basierten Anschlüssen, sind klar im Vorteil.

Sicherheit im Homeoffice

Neben den technischen Voraussetzungen müssen im Homeoffice natürlich auch der Datenschutz und die IT-Sicherheit gewährleistet werden. Sicherlich verwenden die Mitarbeiter auf den Schutz ihrer privaten Rechner vor Hackerangriffen nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie ein Unternehmen. Wenn nun im Homeoffice Privatgeräte Zugriff auf das Firmennetzwerk haben, muss sich der private Rechner stets auf dem aktuellen Stand bezüglich Updates des Betriebssystems und der Anwendungssoftware befinden. Das gilt vor allem für den Browser und die Sicherheitssoftware wie Virenscanner und Firewalls sowie für die verwendete VPN-Software.
Werden personenbezogene Daten vom Unternehmen zum privaten Rechner übertragen, müssen auch die Rechner der Mitarbeiter entsprechend geschützt und die Mitarbeiter einmal mehr für die Datenschutzgrundverordnung der EU (DSGVO) sensibilisiert werden.
Wer ein Homeoffice in diesen außergewöhnlichen Zeiten technisch so ausrüstet und rechtlich so schützt, dass es tatsächlich als eine vollwertige Außenstelle des Unternehmens genutzt werden kann, wird auch in Zukunft die Vorteile der Heimarbeit nutzen können.