Cybermobbing - wie Eltern ihre Kinder schützen können

Cybermobbing – wie Eltern ihre Kinder schützen können

Generation X, Millennials, Digital Natives – die Entwicklung von der Wählscheibe zum Touchscreen, vom Magnetband zum Streaming-Dienst und vom Streichholzbriefchen zum Instant Messenger verlief rasant. Heute geht es bei Kindern und Jugendlichen nicht mehr darum, ob sie Apps und Endgeräte bedienen können, sondern was sie nutzen und wie sie dies tun. Nicht Anwendungswissen, sondern Kommunikationskompetenz ist das Stichwort – insbesondere dann, wenn es um schwierige soziale Phänomene wie das Cybermobbing geht. Die folgenden Ratschläge helfen Eltern, ihre Kinder bei der Bewältigung dieser oft bedrückenden Erfahrung zu unterstützen.

So, wie ein Teil unserer Kommunikation zusehends in der digitalen und Web-basierten Welt stattfindet, verlagern sich auch soziale und zwischenmenschliche Auseinandersetzungen. Das Internet ist ein Stück weit zum Abbild der Gesellschaft geworden. Dieses Phänomen zieht sich durch alle Generationen, auch durch die jüngeren, für die das Smartphone längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Konflikte, die sich für Schülerinnen und Schüler früher eher im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof abgespielt haben, finden mittlerweile (auch) auf Instagram oder in WhatsApp-Gruppen statt. Wenn in diesem Zusammenhang von Cybermobbing die Rede ist, dann geht es um systematische Beleidigungen, Ausgrenzungen und Verleumdungen, teilweise sogar um Erpressung. Beispiele hierfür sind die Gründung von Hassgruppen in sozialen Netzwerken oder das Hochladen und Veröffentlichen von Filmclips, in denen die Betroffenen in peinlichen oder demütigenden Situationen gezeigt werden. Das Perfide am Cybermobbing: Anders als beispielsweise beim Hänseln im Klassenverband können über das Internet schnell und anonym sehr große Personenkreise erreicht werden – ein Umstand, der die Tragweite und auch den Druck für die Opfer deutlich erhöht. Für Eltern stellen sich in diesem Zusammenhang zwei wichtige Fragen: Wie kann ich verhindern, dass mein Kind Opfer von Cybermobbing wird? Und falls es dafür bereits zu spät ist: Wie kann ich meinem Kind helfen, wenn es von Gleichaltrigen über das Web gemobbt wird?

Offenheit zeigen und Regeln definieren

Einen vollständigen Schutz gegen Cybermobbing gibt es nicht. Allerdings sollten Sie mit Ihren Kindern einige grundlegende Vorsichtsmaßnahmen besprechen, die das Risiko von Mobbing-Angriffen reduzieren. Ihnen als Eltern sollte dabei stets klar sein, dass Cybermobbing nie einseitig betrachtet werden darf, sondern dass zahlreiche Facetten wie Datenschutz und Datensparsamkeit, Besonderheiten der digitalen Kommunikation und allgemeine soziale Kompetenzen relevant sind. Das A und O zum Schutze gegen Cybermobbing ist es, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit zu stärken. Der Satz „Das muss ich mir nicht gefallen lassen!“ ist ebenso einfach wie wirkungsvoll. Stärken Sie Ihre Kinder, indem Sie Ihnen beibringen, emotionale Belastungen zu erkennen, zu artikulieren und damit eigene Grenzen klar auszusprechen. Neben der emotionalen Stärkung spielt es eine große Rolle, die Medienkompetenz zu fördern, um Kinder gegen soziale Web-Angriffe stark zu machen. Diskutieren sie mit Ihren Kindern, welche Informationen sie von sich preisgeben können und was sie besser für sich behalten. Personenbezogene Daten wie das Geburtsdatum, die Adresse oder persönliche Fotos sollten ohne die ausdrückliche Überprüfung und Einwilligung der Eltern nicht im Internet landen! Bleiben Sie also mit Ihren Kindern im Gespräch, vereinbaren Sie klare Nutzungsregeln für digitale Medien und sensibilisieren Sie Ihre Sprösslinge für deren und damit auch Ihre Privatsphäre. Was übrigens ebenso wichtig ist: Wenn Sie mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter über deren Rechte zum Schutze der eigenen Privatsphäre reden, dann verweisen Sie auch ausdrücklich auf die Rechte anderer. Eltern, die ihre Kinder anhalten, aufmerksam und unter Einhaltung sozialer Regeln zu kommunizieren und obendrein für die Belange Schwächerer einzustehen, schaffen eine gute Wahrnehmung der eigenen Grenzen. Im besten Fall lösen sie damit sogar den Prozess des Mitläufertums auf, denn ohne diesen würde Cybermobbing oft überhaupt nicht funktionieren.

Nicht tatenlos zusehen

Sollte sich der Verdacht erhärten oder es eindeutig sein, dass Ihr Kind Opfer von Cybermobbing geworden ist, so gilt als oberstes Gebot: Spielen Sie die Tragweite dieser Erfahrung nicht herunter, sondern nehmen Sie die Betroffenheit Ihres Kindes ernst! Die tägliche Konfrontation mit Beleidigungen und Verleumdungen, das Gefühl, selbst nach Schulschluss über das Internet weiterverfolgt zu werden, können sich stark auf das Wohlbefinden und auch auf die psychische Gesundheit Ihres Kindes auswirken. Signalisieren Sie deshalb unbedingt: Bei mir bist du sicher. Dazu gehört auch, dass Smartphones und Tablets bei zunehmender Eskalation ausgeschaltet werden. Halten Sie strikte Auszeiten ein – nicht als Sanktion, sondern damit sich Ihr Kind von der Allgegenwart der digitalen Medien und damit auch der Bedrohung erholen kann. Ferner sollten Sie Ihr Kind dazu anhalten, nicht auf Anfeindungen zu antworten. Das schafft im Zweifel nur neue Angriffsfläche. Sichern Sie stattdessen lieber Beweise zum Beispiel durch Screenshots. Sollten Sie rechtliche Schritte gegen den oder die Mobber einleiten wollen, könnten sich diese Beweise als dienlich erweisen. Sofern das Mobbing über Apps erfolgt, die es erlauben, Kontakte zu blockieren, sollten Sie auch diese Maßnahme ergreifen. Zudem unterstützen Sie die Anbieter von Social-Media-Diensten, wenn es darum geht, verleumderische Inhalte zu entfernen und zu löschen sowie Mobbing-Angreifer zu sperren. Sollten die Mobbing-Aktionen Auswüchse annehmen, die aus Ihrer Sicht nicht zu kontrollieren und extrem geworden sind, verständigen Sie sowohl die Lehrkräfte als auch die Polizei. Mit den Eltern der Verdächtigten sollten Sie hingegen besser nicht vorschnell Kontakt aufnehmen, da es dadurch zu einer weiteren Verhärtung der Fronten zwischen den Kindern kommen kann – und das Mobbing gegen Ihren Sohn oder Ihre Tochter weitereskaliert.

Ausführliche und hilfreiche Tipps zur Prävention und Hilfe bei Cybermobbing bietet der kostenlose „Ratgeber Cyber-Mobbing“ von klicksafe.de, der EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz.