Kommt unser Internet schon bald aus dem All?

Überall auf der Welt gibt es Regionen, in denen kein Internet zur Verfügung steht, weder über Kabel noch über Funk. Technisch gesehen kann Internet aus dem All die Lösung sein. Aber ist ein Internetzugang per Satellit auch sinnvoll? Lesen Sie im folgenden Blog-Artikel, wie das System funktioniert und welche Vor- und Nachteile ein Internetzugang aus dem Orbit bringt.

Satelliten nahe der Erde

Der Einsatz von Satellitensystemen eignet sich ideal für Gebiete auf der ganzen Welt, in denen die Konnektivität normalerweise eine Herausforderung darstellt. Internet aus dem All ist nicht an die traditionelle Bodeninfrastruktur gebunden und kann Breitband-Internet an Orten bereitstellen, an denen nur unzulänglicher oder gar kein Zugang zum Internet eingerichtet werden kann.

Beim Internet aus dem All funktioniert die Datenübertragung über Satelliten, die mehr als 60-mal näher an der Erde kreisen als herkömmliche Satelliten. Herkömmliche Kommunikationssatelliten umrunden die Erde in einem Abstand von mehr als 35.000 Kilometern Höhe. Satelliten für das Internet werden in einer Höhe von 500 bis 1.200 Kilometer angesiedelt. So können sie Signale mit weniger Zeitverzug verschicken oder empfangen. Damit wird eine geringere Latenz ermöglicht und die Daten können viel schneller vom Sender zum Empfänger via Satellit rauschen als das bisher möglich war.

Wettbewerb im All

Eine Reihe von Unternehmen, unter anderen SpaceX von Elon Musk, Amazon mit den Project Kuiper und die britische Firma OneWeb, planen derzeit, an jedem Ort der Erde einen Internetzugang per Satellitenverbindung zu ermöglichen. Gegenwärtig umkreisen 146 Satelliten von OneWeb die Erde – 648 sollen es später einmal werden. Amazon will 3.236 Satelliten in die erdnahe Umlaufbahn bringen, das Projekt Starlink von Elon Musk hat bereits eintausend Satelliten ins All geschickt, um schon bald die gesamte Welt mit Breitband-Internet aus dem All zu versorgen.

Hohe Kosten, geringe Geschwindigkeiten und viel Weltraummüll

Um tatsächlich eine nahezu globale Abdeckung zu erreichen, braucht es Tausende Satelliten auf niedriger Umlaufbahn und Tausende Bodenstationen. Der Benutzer benötigen zur Einrichtung des Dienstes einen WLAN-Router, Netzteil, Kabel und Montagestativ. Die Antenne muss so montiert werden, dass kein Gegenstand die Verbindung zum Satelliten stört. Internet aus dem All erfordert somit große Investitionen der Anbieter, was sich auch in entsprechenden Preisen für die Nutzer widerspiegelt. Die Kosten für Beschaffung und Nutzung eines Satellitenanschlusses sind enorm hoch.

Die Geschwindigkeiten kommen derzeit längst noch nicht an Glasfaserverbindungen heran. Realisiert werden gegenwärtig an den meisten Standorten Datengeschwindigkeiten zwischen 50 MBit/s und 150 MBit/s. Zum Vergleich: Mit einem Glasfaseranschluss von Netcom Kassel werden Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 1.000 MBit/s erreicht. Anders auch als bei Internet per Kabel steht das Internet per Satellit nicht stabil zur Verfügung. Für den Einsatz in Gebieten mit vielen hohen Bäumen und Gebäuden eignet sich diese Art der Internetversorgung nicht, weil die Störanfälligkeit zu hoch ist. Das freilich kann sich ändern, wenn mehr Satelliten gestartet werden.

Mehr Satelliten heißt aber auch: mehr Weltraummüll. Derzeit umkreisen nach Angaben der Deutschen Raumfahrtagentur etwa 16.000 Teile mit einem Durchmesser von mindestens zehn Zentimetern die Erde. Wissenschaftler schätzen, dass sich insgesamt etwa 750.000 Teile, die größer als ein Zentimeter, und 150 Millionen Teilchen, die größer als ein Millimeter sind, in der Erdumlaufbahn befinden.

Ein weiterer Nachteil des Satelliten-gestützten Internets: Das Internet kann man nur in einem bestimmten Radius um die Antenne herum empfangen. Anders als beim mobilen Internet ist ein Empfangsgerät einer einzelnen Zelle zugeordnet und loggt sich nicht automatisch in andere Zellen ein.

Mit Glasfaser schneller und zuverlässiger unterwegs

Zweifellos ist das System trotz der bisherigen Einschränkungen für ländliche Gegenden, die bisher ohne Internet leben mussten, besser als nichts.

Unternehmen und Gamer, aber auch alle anderen, die eine schnelle und verlässliche Verbindung für stabile Videokonferenzen, anspruchsvolle Anwendungen und für die Vernetzung ihrer Geräte im „Internet of things“ brauchen, sollten das Internet aus dem All erstmal als Zukunftsmusik betrachten und nicht als verfügbare Alternative. Stabile, schnelle und sichere Verbindungen liefern stattdessen weiterhin Anbieter, die auf dem Boden geblieben sind – wie Netcom Kassel. In der Region Nordhessen sind bei Glasfaserverbindungen Geschwindigkeiten von bis zu 1000 MBit/s schon heute möglich, und kein Baum oder Schornstein kann dabei die Daten bremsen.