Betrugsmaschen auf Online-Marktplätzen und wie Sie sich schützen können

Online-Shopping gehört heute so sehr zum Alltag, dass man die Gefahren, die dort lauern, schnell vergessen kann. Doch Vorsicht: Die Internetkriminalität in Deutschland hat stark zugenommen. Und die Täter werden immer professioneller. Ein Trost: Auch die andere Seite der dunklen Macht lernt dazu. Verbände, Verbraucherzentralen und Bürgerberatungen kennen die Betrugsmaschen. Sie informieren und helfen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Etwa 49 Millionen Menschen in Deutschland kaufen im Internet ein. Das sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 80 Prozent der 16- bis 74-Jährigen. 2021 wurden in Deutschland rund 99 Milliarden Euro im Online-Handel umgesetzt. Die meisten Geschäfte wurden seriös abgewickelt. Aber gerade deshalb besteht die Gefahr einer gewissen Unachtsamkeit. Immerhin wurden 2021 laut Statista in Deutschland 383 469 Straftaten mit dem „Tatmittel Internet“ registriert, 88 804 mehr als zwei Jahre zuvor.

Sicher sind auch Ihnen die meisten Maschen der Betrüger bekannt. Aber denken Sie bei jedem Einkauf daran? Bestimmt nicht. Deshalb hier eine kleine Auffrischung:

Der Fake-Shop – Nobody is perfect

Kopien seriöser Online-Shops können leicht für das Original gehalten werden. Aber: Nobody is perfect. Es gibt jede Menge Zeichen, wie Sie den Betrug erkennen können. Hier einige Beispiele:

  • Fake-Shops bieten in der Regel besonders günstige Preise. Dabei geht es nicht nur um Schuhe und Handtaschen. Auch Autos oder Industriegüter werden auf gefälschten Seiten angeboten.
  • Die Internetadresse enthält unübliche Domainendungen.
  • Gütesiegel sind gefälscht und daher nicht mit einem Zertifikat des Siegel-Betreibers verlinkt.
  • Die allgemeinen Geschäftsbedingungen sind auffällig fehlerhaft formuliert oder fehlen ganz.
  • Am besten erkennt man Fake-Shops am Impressum. Ein Impressum muss eine Adresse des Betreibers, einen Vertretungsberechtigten und eine E-Mail-Adresse enthalten. Eine Kapitalgesellschaft veröffentlicht zudem ihre Handelsregister-Nummer im Impressum.

Tipp: Die Verbraucherzentrale gibt einen Überblick, wie Sie falsche Online-Shops schnell erkennen können, und stellt auf ihrer Seite einen Fake-Shop-Finder zur Verfügung.

Dreiecksbetrug – kein Schnäppchen, sondern eine böse Überraschung

Manche Second-Hand-Plattformen bieten neue Waren, meist Bekleidung, zu einem traumhaft günstigen Preis. Sie bestellen, zahlen und bekommen tatsächlich die Ware nagelneu geliefert – wie versprochen. Aber: Gleichzeitig erhalten Sie eine Rechnung des Online-Shops, der diese Waren neu anbietet. Der Second-Hand-Verkäufer hat nämlich den Artikel in Ihrem Namen beim Online-Händler bestellt, Ihre Adresse als Liefer- und Rechnungsadresse angegeben und das Geld, das Sie ihm für das angeblich neue Produkt zum Second-Hand-Preis überwiesen haben, einkassiert.

Tipp: Traumhaft günstige Preise für neue Waren gibt es nicht ohne Risiko. Prüfen Sie sorgfältig.

Der Austausch-Trick – keine Chance bei eindeutiger Identifizierung

Sie verkaufen Elektronik oder andere hochwertige Waren über E-Bay oder andere Verkaufsportale. Ein Kunde kauft und bezahlt. Nach einiger Zeit schickt er die Waren wegen aufgetretener Mängel zurück. Tatsächlich reklamiert er nicht das bei Ihnen gekaufte Produkt, sondern ein baugleiches defektes Gerät. Er will sein Geld zurück. Nun liegt es an Ihnen, zu beweisen, dass Ihre Ware im einwandfreien Zustand ausgeliefert wurde. Wenn Sie das nicht können, müssen Sie den Kaufpreis zurückzahlen.

Tipp: Machen Sie Fotos von der Gerätenummer und heben Sie Rechnungen auf, um die Ware eindeutig identifizieren zu können. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.

Nachnahme-Trick – Barzahlung als Risiko

Bei der Flut der Zusendungen, die man heute erhält, verliert man leicht den Überblick, wer in der Familie was bestellt hat. Diese Aufmerksamkeitslücke nutzen Betrüger, um Ihnen eine Sendung unterzujubeln und dafür den Kaufpreis zu kassieren, die Sie nie bestellt haben. Tatsächlich befinden sich im Paket auch keine Waren, sondern wertloses Füllmaterial. Die Post wird hier als Dienstleister missbraucht. Sie nimmt das Geld per Nachnahme in Empfang und überweist es an den Auftraggeber.

Haben Sie tatsächlich Ware bestellt und zahlen bar an den Versand-Mitarbeiter in dem Glauben, die Ware sei im Paket, kann es Ihnen ähnlich ergehen: Das Paket enthält nichts.

Tipp: Zahlen Sie über Bezahlsysteme wie PayPal oder per Kreditkarte. Dort haben Sie sehr viel bessere Chancen, Ihr Geld zurückzuerhalten, als beim Streit mit der Post.

Bezahl-Betrug – schwierig, aber nicht unmöglich

Mit der Zwei-Faktor-Authentisierung, die immer mehr Online-Händler oder Online-Bezahldienste einführen, oder der 3D Secure zum Kreditkarten-Clearing wird es für Betrüger immer schwieriger, sich von Ihrem Konto zu bedienen. Um tatsächlich auf Ihr Konto zugreifen zu können – über welchen Weg auch immer –, braucht der Betrüger heute auch Ihr Mobiltelefon, auf das in vielen Fällen ein Code gesendet wird. Das heißt aber nicht, dass nichts mehr geht. Da viele Deutsche den Kauf auf Rechnung priorisieren, sind die Hochzeiten des Bezahlbetruges noch längst nicht vorbei. Die Betrüger besorgen sich Ihre Adresse, bestellen im Internet, geben Ihre Adresse als Rechnungsadresse und eine andere Adresse als Lieferadresse an. Kein Mensch fragt nach. Sie haben allerdings alsbald eine Inkasso-Firma am Hals, der Sie beweisen müssen, dass nicht Sie die Waren bestellt haben. Und das ist schwierig.

Tipp: Auch wenn oft empfohlen wird, auf Rechnung zu zahlen, da Sie erst Geld überweisen, wenn Sie die Ware in der Hand haben – Bezahlsysteme wie PayPal bieten großzügige Rückholbedingungen für Ihr Geld und sind für so billige Betrügereien nicht zu missbrauchen. Und: Erstatten Sie unbedingt Anzeige bei der Polizei.

Gehackte Accounts

Immer wieder wird vermeldet, dass Online-Marktplätze Opfer von Cyberangriffen werden. Die Angreifer wollen dabei an die in den Accounts hinterlegten persönlichen Daten wie beispielsweise gespeicherte Zahlungsmittel ran, um diese nach Lust und Laune zu missbrauchen – zumindest für eine kurze Zeit.

Als weitere Methode, Ihre Daten zu stehlen, versenden die Betrüger E-Mails, um im Internet nach Passwörtern sowie Konto- und Bankdaten zu fischen, sogenannte Phishing-Mails.

Tipp: Folgen Sie keinerlei Aufforderungen, die Sie zur Herausgabe Ihrer Passwörter, Kontodaten oder Daten zu Ihren Bezahlsystemen bringen wollen. Ändern Sie aber selbst gelegentlich Ihre (hoffentlich sehr sicheren) Passwörter.

Die SOS-Karte zum Online-Shopping

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich vor Betrug beim Online-Shopping zu schützen. Einige davon finden Sie im Beitrag. Das Bundesinstitut für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Verbraucherzentrale haben neben dem schon erwähnten Fake-Shop-Finder eine SOS-Karte für den Ernstfall erarbeitet. Schauen Sie ab und zu auf diese Seiten, damit Sie nicht vergessen, worauf Sie beim Online-Shopping achten sollten.

Viel Spaß beim Einkauf.

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