Alles virtuell, oder was? Wie die Digitalisierung unseren Alltag verändert

Die zunehmende Automatisierung von Prozessen und Anwendungen verändert nicht nur die Strukturen in Wirtschaft und Industrie. Auch die Gesellschaft befindet sich in einem Wandel. Lebensbereiche wie Arbeit, Bildung und Versorgung nehmen völlig neue Gestalt an. Erleben wir eine Revolution oder Evolution?

Das vergangene Jahr hat seine Spuren hinterlassen. Mit dem Lockdown musste nahezu jede Branche von einem Tag auf den anderen ihre Arbeitsabläufe umstellen. Die Zusammenarbeit im Team sollte auch von zu Hause aus reibungslos laufen, und viele Workflows, die bisher physisch abgewickelt wurden, mussten quasi über Nacht ins Digitale übertragen werden – Entwicklungen, die so oder so ähnlich vermutlich ohnehin eingetreten wären, die durch die Auswirkungen der Pandemie allerdings stark beschleunigt wurden. Doch wie verhält es sich neben dem Beruf mit unserem Alltag, unserem Privatleben? Auch hier zeichnet sich die Verlagerung von der analogen in die digitale Welt in vielen Bereichen ab. Hinzu kommen Innovationen, die völlig neue Spielfelder eröffnen und uns in vielerlei Hinsicht das Leben erleichtern.

Arbeiten wird flexibler

Der digitale Wandel in Wirtschaft, Industrie und Verwaltung beeinflusst unser Arbeitsleben direkt. Für viele Arbeitgeber hat sich in den vergangenen Monaten gezeigt, dass Homeoffice effizienter ist, als von vielen vermutet wurde. Auch wenn die meisten Angestellten mit Ende der Pandemie wieder an ihren Schreibtisch im Unternehmen zurückkehren werden, so ist die Toleranz für hybride Beschäftigungsmodelle mit regelmäßiger Heimarbeit doch deutlich gestiegen. Gerade Familien bringt dieser Trend ein Plus an Flexibilität. Und die eine oder andere Stunde mehr Freizeit – insbesondere Pendlern, die sich den Weg zur Arbeit künftig an einem oder mehreren Werktagen sparen können.

Kommunikation in Highspeed

Die Art und Weise, wie wir uns kontaktieren, unterliegt mit am stärksten den Auswirkungen der technologischen Entwicklungen. Analoge Kommunikationsformen wie Brief oder Postkarte muten inzwischen nostalgisch an, während E-Mail, Messenger und Chat inzwischen zum festen Repertoire gehören. Kommunikation ist allgegenwärtig, das Angebot an Apps und Tools ist riesig. Das bietet viele Möglichkeiten, die individuelle Kommunikation zu gestalten – sorgt zugleich aber auch für enorme Beschleunigung. Dass wir immer schneller immer mehr Leute erreichen können, bringt seine Herausforderungen mit sich: So mancher fühlt sich von der Kommunikationsflut überfordert. Kein Wunder also, dass mit dem Plus an Kommunikation zugleich der Trend zum „digitalen Detoxen“, also zur digitalen Entgiftung, anhält.

Digitaler Warenkorb per Klick

Der Einzelhandel ist massiv ins Internet abgewandert. Während Verbraucher den unkomplizierten Einkauf per Klick immer mehr zu schätzen scheinen, werden unsere Einkaufsstraßen immer leerer – eine Entwicklung, die sich fernab aller Lockdowns schon vor Beginn der Pandemie abzeichnete. In der Zukunft sind deshalb kreative Verkaufsmodelle gefragt, die eine clevere Verbindung von Online- und Offlinehandel etablieren. Während Kleidung, Schuhe und Haushaltswaren heute easy vom Sofa aus bestellt werden, sind auch die Bezahlvorgänge bequemer geworden. Ob kontaktloses Zahlen im Supermarkt oder Bezahlung per Klick beim Internetshopping, die Digitalisierung beeinflusst auch diesen Bereich stark.

Lange Leitung im Bildungsbereich

Wie das große Homeschooling-Experiment der vergangenen Monate gezeigt hat, sind die Schulen in unserem Land bei Weitem noch nicht auf dem gleichen technischen Stand, wie er bei vielen europäischen Nachbarn erreicht ist. Technische Geräte, Glasfaserleitungen, stabile Online-Lernplattformen – die Infrastruktur ist nach wie vor im Aufbau. Die aktuellen Erfahrungen aus Schule und Universität zeigt allerdings auch, dass mit der Digitalisierung der Bildungsinfrastrukturen auch eine inhaltliche Neuausrichtung einhergehen muss. Es reicht nicht aus, Arbeitsblätter aus dem Lehrbuch zu kopieren und in die Schul-Cloud zu stellen. Hier sind frische Konzepte gefragt, die das didaktische Potenzial der Digitalisierung wohlüberlegt ausschöpfen.

Die Technologien des digitalen Wandels waren letztlich nicht revolutionär – zumindest nicht in den vergangenen fünf Jahren. Ausschlaggebend sind vielmehr ihre Verbreitung und die hohe Akzeptanz bei den Anwendern. Mit der Digitalisierung erlebt unsere Gesellschaft eine fortschreitende Evolution, die in den zurückliegenden Monaten einen regelrechten Booster verpasst bekommen hat.